ÖRNI F. (DIE NACHT DES WERWOLFS)

1. Örni F. is noch ziemli jung
und bereits ein Opfer der Perversion –
im Kino schaut er sich jeden Horrorschinken an
und der schwarze Schlächter hat’s im angetan.
Den gelben Satan findet er ganz stark,
weil der bohrt seine Finger bis ins Knochenmark.
Den Supersado hat er zichmal g’sehn –
seitdem traut er si nachts net aufs Klo zu gehn.

2. Örni F. hat sich eingedeggt,
weil ohne seine Gruselkrimis geht er net insBett.
Vorm Einschlafen gibbt er si ä Infusion
mit der Überhorrortripvision.
Er blättert in am Heft und des gfällt ihm gut –
der Wolfsmensch wütet und es fließt viel Blut.
Langsam falln nerm di Deckel zu –
er träumt, doch sei Geist kommt net zur Ruh.

Die Nacht des Werwolfs

3. Der Vollmond strahlt sein fahles Licht
um Mitternacht auf Örni’s Gsicht.
Er nimmt kaum wahr wie der Fluch beginnt
und schwarzes Blut in seine Adern rinnt.
Um viertel nach zwölf hat er’s endli g’schafft,
ein Monster steht auf mit animalischer Kraft.
Das Grauen wird zur Realität –
die Bestie macht sich auf den Weg.

4. Am Morgen hat Örni in der Zeitung entdeckt,
so ä armer Irrer hat ä Pärla erschreckt.
Außerdem sucht man den Mörder vehement
von der Leiche am Friedhof die keiner kennt.
Mit leichter Blässe im Gesicht
denkt Örni: so ein Quatsch, sowas gibt es nicht
– das is doch alles Mache der Horrorindustrie.
Doch er zweifelt ä weng an seiner Phantasie.

5. Örni gibt sich lässig, doch er hängt g’scheit rum.
Die andern sog’n: Der benimmt si aber dumm.
Er kann a nimmer mit denner lachen,
die sich über Blutorgien lustig machen.
Seit Wochen schon hat er panische Angst,
der Alptraum quält ihn und ihm langts.
Bei jedem Vollmond um Mitternacht
glaubt er, das Böse in ihm erwacht.

Die Nacht des Werwolfs

by Schibi
(der komponiert wahrscheinlich auch im Kino)

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